Mein Start ins Balkongärtnern

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Der Frühling zeigt sich und meine ersten kleinen Anzuchtversuche auf dem Fensterbrett tragen „Früchte“.

Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich zu den Leuten gehöre, die von Natur aus einen „grünen Daumen haben“. Meine ersten und bislang letzten Erfahrungen mit dem Gärtnern machte ich während des Besuchs eines Schulgartens in der Grundschule. Ich habe es außerdem nie besonders gemocht, wenn es damals hieß, meinen Eltern im Garten zu helfen. Für mich stand irgendwann sogar fest, dass ich nie einen eigenen Garten haben wollte, da dieser viel zu viel Aufwand und Arbeit bedeutete. Warum also jetzt mein Versuch, ins Balkongärtnern zu starten?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens reizt es mich, Neues, mir unbekanntes auszuprobieren. Zweitens mag ich die Herausforderung, Dinge anzugehen, die ich noch nicht kann (quasi mich selbst zu „challengen“). Drittens lerne ich gern und versuche stetig, mir irgendwie neues Wissen anzueignen. Nachdem ich mich im Monat Februar zudem intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandersetzte und dann weitere Informationen im Bereich Nahrungsversorgung sammelte, reizte es mich anschließend immer mehr, selbst zu versuchen, eigene Kräuter, Pflanzen und Nahrungsmittel anzubauen.

Doch wie und wo damit anfangen?

Ich begann schließlich da, wo ich immer startete: Ich steckte zunächst meinen Kopf in ein Buch. In ein Handbuch, um genauer zu sein, das mir verraten sollte, wie man Gemüse, Obst und Kräuter leicht auf kleinstem Raum zu Hause anbaut und erntet. Was ich  anfangs durch das Lesen mitnahm, war vor allem eines: ernüchternd. Ich kam zu der Überzeugung, dass mein kleines, neues Projekt kein Leichtes werden würde. Galt es doch so viele Dinge zu beachten – angefangen beim Lichteinfall und Boden, über das Pflanzgefäß, der Aussaat bis hin zum Gießen. Das Ganze lähmte mich erst mal und vor allem meinen Tatendrang. Glücklicherweise gelangte ich zum Ende des Buches dann aber doch noch zu dem Schluss, dass ich einfach irgendwo anfangen sollte, um eigene Erfahrungen zu sammeln.

Also führte mich mein Weg Anfang März in ein Gartencenter, wo mein Enthusiasmus direkt das nächste Mal ausgebremst wurde. Dieses Mal nicht durch zu viele Informationen, sondern durch eine zu große Auswahl an Möglichkeiten hinsichtlich des Anbauens, Einpflanzens und Hinstellens von Pflanzen. Aus meiner Überforderung heraus entschied ich mich letzten Endes für den Kauf dreier, vermeintlich einfacher Dinge, für die laut Anleitung nur wenig Platz und ein paar Handgriffe nötig waren, um sie zum Wachsen zu bringen: ein Fertig-Pilz-Set im Karton und zwei Pflanzsäcke mit Zitronenmelisse sowie Minze.

Wieder zu Hause angekommen, präparierte ich die Pflanzsäcke wie vorgegeben: Pflanzenerde in den Sack schütten, ein bisschen davon aber zur Seite legen. Samen in die Erde geben, restliche Pflanzenerde drüber streuen, Erde anfeuchten, Folie überstülpen und an einen sonnigen Fleck im Zimmer stellen. Klingt einfach. Gewachsen ist in den Pflanzsäcken dann aber auch nach einem Monat noch nichts.

Melisse1  Melisse2  Melisse3.jpg

Auch das Wachstum meines Fertig-Pliz-Sets war nicht von wesentlich mehr Erfolg gekrönt. Zuerst präparierte ich den Karton so, dass nur noch die Pilzmatte darin lag, gab die mitglieferte feuchte Erde darüber und legte eine Folie darauf.

Pilze1  Pilze 2  Pilze 3

Ich folgte der Anleitung, dennoch war nach einem Monat nur das zu sehen:

Pilze 4

Nach Tiefs folgen immer auch Hochs

Ich war ziemlich frustriert und ging in mich, was ich bei meinem Versuch der Pflanzenzüchtung wohl falsch gemacht hatte. Außerdem brauchte ich unbedingt ein kleines Erfolgserlebnis, um meinen Eifer für Pflanzen und das Balkongärtnern neu zu entfachen. Ich machte weiter und informierte mich, was generell bereits im März im Balkonkistchen angebaut werden kann. Meine Wahl fiel auf Pflanzen, bei denen man nicht viel falsch machen konnte: Radieschen und Spinat. Radieschen gelten als Kinderpflanzen. Sie können schon von den Kleinsten angepflanzt werden, da sie äußerst pflegeleicht sind. Radieschen müssen nur ausgestreut werden, danach wachsen sie quasi von allein. Ähnliches gilt für Spinat. Ich besorgte mir also zwei Balkonkistchen, Samen, Anzuchterde und legte Ende März mit der Aussaat im Freien los.

Wenn du dich fragst, weshalb ich Anzuchterde für die Aussaat verwendete?

Diese Erde ist sehr nährstoffarm und locker – ideal also, damit Samen Wurzeln ausbilden und wachsen. Erden mit zu vielen Nährsalzen können hingegen kleine, junge Wurzeln schädigen.

Radieschen_Spinat

Aufgrund reichlichen Niederschlags und viel Sonne hatte ich dann nach zwei Wochen tatsächlich mein erstes kleines Erfolgserlebnis: einige Samen begannen zu keimen und die ersten kleinen Pflänzchen ließen sich blicken.

Radieschen
Die ersten, kleinen Radieschenblätter werden sichtbar
Spinat
Erste Triebe des Spinats

Angespornt durch den kleinen Triumph, widmete ich mich meinem nächsten Versuch, essbare Blüten anzupflanzen. Hier fiel mein Augenmerk auf die Kapuzinerkresse. Jedoch muss diese in den Monaten März/April noch im Haus vorgezogen werden, bevor sie ab Mai ins Freie kann. Womit also die Pflanzen in der Wohnung anzüchten? Im Internet gibt es natürlich zahlreiche Utensilien zur Anzucht zu kaufen. Es geht jedoch auch einfacher und kostengünstiger! Man nehme leere Milchtüten, Plastikschalen oder Eierkartons und funktioniere sie zu kleinen Anzuchtgefäßen um. Einfach Anzuchterde in eines der Gefäße geben, Samen in die Erde drücken, alles gießen und eine Folie (z. B. Frischhaltefolie) über das Gefäß legen. Fertig ist das eigene kleine Anzuchtbehältnis! Übrigens: durch die Folie kann das Wasser nicht verdunsten. So baust du dir quasi kinderleicht dein eigenes, kleines Gewächshaus auf, wodurch Pflanzen schnelles Wachstum erzielen.

Das Resultat meiner Kapuzinerkresse-Anzucht konnte sich sehen lassen: bereits nach einer Woche regten die ersten kleinen Pflänzchen ihre Köpfe aus der Anzuchterde:

Kapuzinerkresse1

Und binnen zwei Wochen wurden aus den Samen sogar schon kleine Jungpflanzen:

Kapuzinerkresse2

Last but not least pflanzte ich vergangenes Wochenende Oregano, Basilikum und Petersilie in einem Pflanzgefäß an. Auch hier sind die ersten kleinen Keimlinge schon zu sehen.

Jeder kann mit dem Gärtnern im Kleinen beginnen!

Mich freuen diese ersten Erfolge. Vor allem auch unter dem Aspekt, welche kleinen Veränderungen diese Beschäftigung mit den Pflanzen in kürzester Zeit in mir ausgelöst haben. Beispielsweise schenke ich Pflanzen heute generell viel mehr Aufmerksamkeit und Beachtung als noch vor einem Monat. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass sie mich mittlerweile faszinieren. Die Wohnung, die bislang pflanzenfrei war, wird inzwischen immer grüner.

Und weißt du, was das Beste ist? Eine Pflanze zum Wachsen zu bringen, gibt dir das Gefühl, etwas Gutes, Sinnvolles zu tun, etwas durch deine eigenen Hände zu erschaffen. Die Beschäftigung damit weckt den Spieltrieb und gleichzeitig den Ehrgeiz, immer weiter Neues auszuprobieren.

Ich lernte außerdem, dass man keinen „grünen Daumen“ benötigt, um ins Balkongärtnern einzusteigen. Ein wenig Interesse, Freude am Experimentieren und vor allem Geduld genügen. Der Rest, samit Ideen, entwickelt sich dann von ganz allein. Mein kleines Balkongartenprojekt geht in jedem Fall weiter.