Wie PLU-Code und TTIP mein Bewusstsein für echte Lebensmittel schärfen

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Konventionell, Bio oder genverändert? … Beim Gang durch den Supermarkt frage ich mich heute immer öfter, ob die Lebensmittel, die verkauft werden, „echt“ sind und unter welchen Bedingungen sie erzeugt wurden. (Foto: Timo Klostermeier / pixelio.de)

Alles begann damit, dass ich mich irgendwann beim Einkauf im Supermarkt fragte, was diese vier- bis fünfstelligen Zahlencodes auf den Obst- und Gemüseetiketten eigentlich zu bedeuten haben. Bei näherer Betrachtung stieß ich darauf, dass es sich hierbei um so genannte PLU-Codes handelt. Diese Nummern dienen schlicht der Identifizierung von Apfel_codeObst und Gemüse und werden von einer zentralen Vergabestelle, der International Federation for Produce Standards (IFPS), schon seit den 1990er-Jahren vergeben. Laut Wikipedia soll die Vergabe von PLU-Codes für Obst- und Gemüsesorten die Inventur und den Kassenverkauf dieser Produkte im Handel vereinfachen.  So weit so gut.

Anfang des Jahres kursierten in sozialen Medien jedoch immer wieder Hinweise darauf, dass man an Hand der PLU-Codes genmodifizierte Produkte erkennen könne. Das machte mich stutzig und ich recherchierte weiter. Letzten Endes ist es so, dass mir beispielsweise die vierstellige Nummer auf dem nebenstehenden Etikett  sagt, dass es sich hier um einen Apfel der Sorte „Red Chief“ handelt, der konventionell mit Kunstdünger erzeugt wurde. Würde dort eine fünfstellige Zahl mit dem Präfix 9 stehen, könnte ich daran ableiten, dass es sich um ein Bioprodukt handelt. Tatsächlich war anfangs die Zahl 8 in fünfstelligen Nummerierungen zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte  vorgesehen, kam aber nie zum Einsatz. Ganz im Gegenteil, denn inzwischen werden fünfstellige PLU-Codes, die mit einer 8 beginnen, auch für konventionelle und Bioprodukte verwendet. (Ausführliche Infos zum Thema PLU-Codes findest du auch hier.) Irgendwie verwirrend! Was zur Folge hat, dass ich mich inzwischen kritischer damit auseindersetze, unter welchen Bedingungen die Produkte, die ich in meinen Einkaufswagen lege, erzeugt wurden. Und eine weitere Fragestellung resultiert daraus. Nämlich, wie kann ich denn nun heute schon genveränderte Produkte beim Einkauf erkennen?

So viel vorweg zur Entwarnung. Laut Verband Lebensmittel ohne Gentechnik ist es bislang so, dass sich kaum gentechnisch veränderte Lebensmittel in den Regalen der deutschen Supermärkte befinden. Sind Produkte gentechnisch verändert, müssen diese laut EU-Gesetz gekennzeichnet sein. Die Regelung enthält jedoch Ausnahmen. Beispielsweise lässt sich nicht so einfach erkennen, ob tierische Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. Diese Lücke soll nach Angaben des Verbands das Label „Ohne Gentechnik“ schließen. Allerdings ist diese Kennzeichnung freiwillig. Mehr Infos zum Siegel findest du hier.

Die Themen Siegel, Herkunftszeichen und Symbole auf Verpackungen sind generell ein kniffliger Bereich für sich. Ursprünglich wurden sie ja sicherlich mal geschaffen, damit wir besser  durchschauen können, auf welche Art ein Lebensmittel erzeugt wurde.  Doch blickst du im Dschungel der vielen Siegel noch durch? Kannst du die wichtigen, nützlichen Kennzeichnungen von denen unterscheiden, die einzig zu Marketingzwecken der Unternehmen auf die Verpackungen gedruckt werden? Ich finde das mittlerweile sehr schwierig. Abhilfe kann jedoch ein Besuch der Website der Verbraucherzentrale schaffen. Dort gibt es eine gute Übersicht zum Thema. Du findest sie hier.

Und als sei das nicht schon alles verwirrend genug, könnte es am Ende noch komplizierter werden. Es stellt sich nämlich die Frage, worauf wir uns beim Kauf und Verzehr von Lebensmitteln einstellen müssen, sollte es am Ende zu TTIP kommen?

Noch mehr Intransparenz durch TTIP

Schon recht lange ist ein transatlantisches Freihandelsabkommen, das so genannte TTIP, zwischen der EU und den USA im Gespräch. Du wirst es durch die Medien mitbekommen haben. Durch das Abkommen erhoffen sich beide Seiten die Schaffung eines größeren Wirtschaftsraums durch den Abbau von Handelsbarrieren. Ferner sollen daraus viele Vorteile wie Wachstum oder neue Arbeitsplätze entstehen. In Deutschland und weiteren Teilen der EU ist das Abkommen jedoch sehr umstritten. Und noch etwas ist das Thema, nämlich äußerst komplex. Es gibt dazu Unmengen an Material zum Lesen und Anschauen. Tippe z. B. einmal „TTIP und Lebensmittel“ in die Web-Suchmaske ein, dann weißt du, was ich meine.

Doch was ist nun eigentlich das Problem an TTIP? Eine gute Zusammenfassung zu dieser Frage kann dir beispielsweise die ARD-Doku „Was bringt TTIP? Das Handelsabkommen auf dem Prüfstand“ liefern. Diese Sendung ist von Anfang des Jahres, somit aktuell und du kannst sie dir hier anschauen. Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin von der taz, schildert unter anderen darin, dass ein großes Problem von TTIP die unterschiedlichen Philosophien sind, die es in den USA und der EU zum Thema „Organisation des Verbraucherschutzes“ gibt. In den USA herrscht beispielsweise das Haftungsprinzip. Das bedeutet, dass dort quasi erst mal alles erlaubt ist, bis sich herausstellt, dass etwas doch gefährlich ist. In der EU herrscht hingegen das so genannte Vorsorgeprinzip. Hier gilt, es muss zunächst der Beweis erbracht werden, dass ein Produkt nicht gefährlich ist, bevor es auf den Markt gebracht werden darf. Weitere kritische Punkte: In den USA sind  Chemikalien erlaubt, die in der EU verboten sind. Zudem erlauben die USA mehr Rückstände von Pestiziden in Produkten als die EU. Chlorhühner und hormonbehandeltes Rindfleisch gehören in den USA dazu. Außerdem sind dort gentechnisch veränderte Lebensmittel akzeptiert, in der EU sind diese hingegen kennzeichnungspflichtig.

Welcher „Worst Case“ uns erwarten könnte, sollte es tatsächlich zum Freihandelsabkommen TTIP kommen – mit dieser Fragestellung hat sich bereits die Verbraucherschutzzentrale Hamburg beschäftigt. Den interessanten Beitrag, was beim Kauf und Verzehr von Lebensmitteln auf uns zukommen könnte, kannst du hier nachlesen.

Ein kleines Beispiel noch hierzu: In der EU ist einheitlich geregelt, welche Informationen jede Lebensmittelverpackung grundsätzlich tragen muss. Dazu gehören Angaben wie Lebensmittelbezeichnung, Zutaten, Mindesthaltbarkeitsangaben oder auch eine Nährwertkennzeichnung. Für einige Lebensmittel wie Rindfleisch, Eier, Obst, Gemüse oder Bioprodukte gibt es darüber hinaus spezielle Pflichtangaben, zum Beispiel zu ihrer Herkunft. Durch TTIP könnte diese Kennzeichnung jedoch in Gefahr sein.

Fazit?

Sobald du dich näher damit beschäftigst, wo die Lebensmittel herkommen, die auf deinem Teller landen und du dir die Frage stellst, wie diese überhaupt erzeugt wurden, wird es kompliziert und undurchsichtig. Auf meinem Weg zu mehr Einfachheit ergeben sich daraus zwei Handlungskonsequenzen. Erstens: In diesem Monat möchte ich Alternativen zum konventionellen Supermarkt ausloten. Ich möchte wissen, wo die Produkte herkommen, die ich zu mir nehme und ob sie tatsächlich unter natürlichen Bedingungen erzeugt wurden. Und zweitens: Ich möchte den Versuch starten, selbst etwas anzubauen. Dafür werde ich mich ab diesem Monat in kleinen Schritten an das Thema Balkongärtnern herantasten. Ob das gelingt? Ich weiß es nicht. Einen Versuch ist es aber in jedem Fall wert. 🙂