Vorsicht Konsumfalle! – Wie ich aufgeräumt bleibe …

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Es kann ein beschwerlicher Weg sein, in einer Welt voller Verlockungen und Verheißungen aufgeräumt zu bleiben. Das merke ich selbst immer wieder. Es gibt jedoch ein paar Ansätze und Tricks, die dabei helfen, den eingeschlagenen Pfad konsequent weiterzugehen. (Foto: Terry U. Weller / pixelio.de)

Nehmen wir einmal an, du hast deine bisherigen Konsumgewohnheiten reflektiert. Du bist dabei an einen Punkt gelangt, an dem du allen überflüssigen, physischen Ballast in deinem Leben identifiziert und dich tatsächlich radikal davon befreit hast. Herzlichen Glückwunsch! Für den Moment reist du mit leichtem Gepäck und bist voraussichtlich im Außen aufgeräumt.

Doch was geschieht, wenn dein Kopf beispielsweise nach einem langen Arbeitstag beim Gang vorbei an schön drappierten Auslagen plötzlich solche Gedanken produziert wie diesen hier: „Boar, ich muss mich heute noch mit irgendetwas belohnen. Das habe ich mir doch schließlich verdient!“ Wie auf Knopfdruck kommst du dann auch noch an Produkt X vorbei, das all deine Sinne anspricht. Wenn du ehrlich zu dir bist, brauchst du das Produkt nicht wirklich, doch mit seinen vielfältigen Funktionen, der schönen Verpackung und seinem unschlagbaren Preis ist dieser Artikel einfach zu verlockend und könnte dir obendrein auch noch ein schnelles, kleines Glücksgefühl bescheren. Ist dein Wille dann noch stark genug oder wirst du schwach und greifst nach dem schnellen Kick mit dem Glück, um dein plötzlich aufgekommenes Bedürfnis zu befriedigen? Oder nehmen wir ein anderes Szenario: Was passiert, wenn Unternehmen Y gekonnt für ein Produkt die Werbetrommel rührt, dass dich vitaler oder attraktiver machen soll? Oder in tausend bunten Farben verspricht, dass du mit der neuesten Version des Artikels Z frei und noch unabhängiger sein wirst? Kannst du diesen Verheißungen widerstehen oder reizt es dich am Ende doch zu sehr zu erfahren, ob das Produkt hält, was es verspricht?

Wir alle behaupten an dieser Stelle ja immer gern voller Nachdruck, dass uns das auf gar keinen Fall passieren kann. Doch ist das wirklich so, wenn wir ehrlich zu uns sind? Ich behaupte, dass wir mit diesem Denken einem Trugschluss aufliegen. Es wäre wohl besser, wenn wir uns stattdessen eingestehen würden, dass wir alle sehr beeinflussbar sind.  Tausende Werbebotschaften, von offensichtlich bis subtil, prasseln täglich auf uns ein und spielen clever mit unseren Bedürfnissen und tiefsten Wünschen. Wer da nicht aufpasst, kann schnell von einem aufgeräumten Zustand in die Konsumfalle tappen und sich am Ende wundern, wo das ganze unnötige Zeug nur wieder hergekommen ist, dass man doch versucht hat, so hartnäckig loszuwerden. (Schnell können sich so auch Konsumgewohnheiten einschleichen, die man dann nur schwer wieder los wird.)

Bewusstsein und Achtsamkeit entwickeln

Gehen wir an dieser Stelle noch mal einen kleinen Schritt zurück. Kannst du überhaupt genau sagen, wofür du im Monat dein Geld ausgibst? Ich konnte es ganz lange nicht und entwickelte auch erst ein wirkliches Bewusstsein dafür, als ich begann, mich im vergangenen Jahr zu entrümpeln. Um herauszufinden, wofür ich Monat für Monat mein Geld ausgab, schrieb ich zunächst alles haargenau auf. Durch das Niederschreiben identifizierte ich schließlich meine persönlichen Geldtreiber wie Bücher, Musik oder auch sehr beliebt bei mir – auswärts essen gehen. Ich war erstaunt und auch ein kleines bisschen geschockt, wie viel sich da im Monat jeweils zusammenläpperte. Um etwas zu verändern begann ich, neben der Dokumentation meiner Konsumgewohnheiten selbige zu hinterfragen, setzte mir wöchentliche Ausgabebudgets und fing an, alles nur noch in bar zu bezahlen. Noch heute gehe ich so vor. Es hilft mir den Überblick zu behalten und mein Bewusstsein für die Thematik zu stärken.

Um nicht wieder in die Konsumfalle zu tappen, übe ich mich heute außerdem tagtäglich in Achtsamkeit. Dabei beobachte ich meine Gedanken und reflektiere mein Verhalten. Zudem versuche ich, mich so wenig Werbung wie möglich auszusetzen. (Früher bin ich beispielsweise allen möglichen Verlagen auf Facebook gefolgt, um die neuesten Buchveröffentlichungen nicht zu verpassen. Das tue ich heute nicht mehr.) Bei jedem Kauf versuche ich außerdem, bewusste Entscheidungen zu treffen. Ich stelle mir dann Fragen wie, brauche ich das Produkt XY wirklich oder versuche ich damit etwas zu kompensieren? Muss ich den Artikel unbedingt kaufen oder kann ich ihn auch irgendwo leihen? Wenn mir mein Hirn suggeriert, dass ich einen bestimmten Konsumgegenstand haben möchte, springe ich nicht sofort darauf an. Stattdessen schreibe ich mir eine Notiz, warte eine Woche und überprüfe erneut, ob der Kaufdrang immer noch vorhanden ist. Meistens ist er dann genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen ist. Solltest du außerdem einmal an den Punkt kommen, an dem du dich mit irgendwelchen Artikeln belohnen willst, wie das beispielsweise bei mir mit Büchern der Fall war, sag stattdessen einmal laut „Stopp!“ und stelle dir die Frage, welche Auslöser und eigentlichen Probleme hinter deinem Belohnungsdrang stecken.

Zu guter Letzt kann ich nur jedem empfehlen, sich ein schönes Hobby zu suchen, das einen erfüllt. Mir geht es mit diesem Blog so. Jeden Tag freue ich mich nach einem langen Arbeitstag darauf, daran zu schreiben und meine Gedanken Schritt für Schritt in Worte zu fassen. Das ist unglaublich entspannend, mit dem positiven Nebeneffekt, dass für Shopping schlichtweg keine Zeit mehr bleibt.

Und bei dir? Wie lauten deine Tricks, um nicht in die Konsumfalle zu tappen?

2 Gedanken zu “Vorsicht Konsumfalle! – Wie ich aufgeräumt bleibe …

  1. Die Frage lautet als aller erstes doch bei einem immer, wofür man sich überhaupt belohnen möchte. Ich kenne dieses Gefühl auch, nach einem anstrengenden Arbeitstag fertig zu sein und noch etwas entgegensetzen zu wollen. Doch kann ich da, wie Du schon sagst, zum Beispiel mit einem Hobby, für das ich mir dann Zeit nehme, belohnen. Es gibt unzählige Möglichkeiten sich ohne Konsum zu belohnen, man muss das nur erstmal erkennen. Sei es auch nur, dass man auf seinen Schreibtisch schaut und sieht, was man alles geleistet hat.

    Gegen den Konsum an sich, habe ich ein paar Möglichkeiten gefunden:
    Zufrieden mit dem sein was man hat, sich darüber klar sein, dass man genug hat, das hilft schon mal. Hat man genug, braucht man nicht mehr. Seit dem lassen mich Prospekte und Werbung kalt.
    Kostenlose oder Second-Hand Alternativen finden. Ich will ein Buch lesen? Dann auf in die Bibliothek, wo es sogar Zeitungen, Filme und Musik gibt. Brauche ich doch etwas, schaue ich, ob es das auch gebraucht gibt, notfalls auch reparaturbedürftig.
    Nach Bedarf einkaufen, besonders bei den Lebensmitteln. Schauen was man wirklich braucht und auch nur das einkaufen.
    Ist man doch süchtig nach Musik, Serien oder Film, dann helfen die unzähligen, sogar preiswerten Streamingdienste. Notfalls ein Abo zum Geburtstag schenken lassen.

    Möglichkeiten gibt ganz viele, man muss sie nur umsetzen wollen.

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  2. Ich fange gerade an zu entrümpeln und frage mich bei jedem Teil, dass weg kommt, was zum Teufel ich mir dabei gedacht habe, das zu kaufen. Ich denke gerade, dass meine Wohnung niemals leerer wird und ich bin schockiert darüber, dass ich es soweit kommen lassen konnte. Dies hilft mir seit den letzten Monaten keinen Blödsinn mehr anzuschaffen und vor allem, dass ich permanent mit dem aufräumen weiter mache, um nicht in alte Muster zu verfallen.

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