Aus gegebenem Anlass: Digital entrümpelt (Teil 1)

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Auch digital Angesammeltes summiert sich und kann irgendwann zur  Belastung werden. Um das zu verhindern, lautet die Lösung erneut: Ausmisten! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

„Reduzieren ist viel wichtiger als das Addieren.“

Marie Kondo

Nachdem ich mich im vergangenen Jahr vor allem von vielen physischen Dingen getrennt habe, erinnert mich mein Laptop akuell daran, dass ich einen Bereich dabei vollkommen außer Acht gelassen habe: das Digitale. Auch hier kann sich mit der Zeit viel ansammeln. Leider ist das bei mir der Fall. Wie sieht es bei dir damit aus?

Meinen Laptop besitze ich seit dem Jahr 2010. In unserer heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft gilt das wahrscheinlich schon als betagtes Alter für solch ein Gerät. Damit möchte ich mich keineswegs abfinden. Nichtsdestotrotz schreitet die Obsoleszenz, d. h. die Abnutzung oder auch das Veralten des Geräts, mittlerweile merklich voran. Derzeit ist es so, dass mein Laptop bereits große Probleme hat, sich hochzufahren und wenn er das endlich geschafft hat, reihenweise Fehlermeldungen ausspuckt. Hinzu kommt, dass ich diesen Laptop noch nie richtig entrümpelt habe. Klar wurden Backups durchgeführt und Daten auch mal auf eine externe Festplatte übertragen, doch ich habe mich noch nie bewusst damit befasst, welche Daten eigentlich gelöscht werden können und welche bleiben sollten. Grund genug also, auch hier endlich einmal richtig aufzuräumen! Doch wo fängt man da am besten an?

Am besten hier: Überblick verschaffen

Anfangs ist es aus meiner Sicht immer sinnvoll, sich einen Überblick über die gesamte Situation zu verschaffen. Hat man die erfasst, tastet man sich schrittweise an die einzelnen Problemlösungen heran. Ich beginne wieder mit der Theorie und frage mich selbst, welcher Ordnungstyp ich im Bereich des Digitalen bin. Wenn ich mir dabei allein die Datenmenge auf meinem Laptop vergegenwärtige, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich als Datensammlerin und -horterin zu outen. Digital scheine ich so ziemlich alles zu sammeln und abzulegen, was mir in die Finger kommt. Es ist aber auch zu einfach und verlockend, oder? Die Daten beanspruchen gefühlt wenig Platz und lassen sich in Windeseile von A nach B kopieren oder speichern.

Anschließend stelle ich mir die Frage, welche digitalen Geräte überhaupt entrümpelt werden sollen? Zu nennen sind hier:

  • Laptop
  • externe Festplatte
  • Smartphone

Um mich digital nicht zu verzetteln und alles im Blick zu behalten, werde ich im Folgenden die KonMari-Methode etwas vernachlässigen, die mir beim Aumisten haptischer Dinge geholfen hat. Das bedeutet, dass ich dieses Mal nicht nach Kategorien entrümpeln werde. Schließlich kann ich im Digitalen nicht alles auf einen Haufen werfen und dann entscheiden was gehen muss und was bleiben darf. Zudem nehme ich mir jedes Gerät einzeln vor. Machst du mit?

Beginnen wir mit dem Laptop, wahlweise Computer. Was siehst du auf deinem Bildschirm, nachdem sich das Gerät hochgefahren hat? Mein kompletter Startbildschirm besteht aus Anwendungen, Ordnern, Bildern und Dokumenten, die ich einst dort ablegte, um sie irgendwann wieder zu benutzen oder in Unterordnern abzulegen. Auch viele PDFs liegen auf dem Desktop. Ich erhielt sie, nachdem ich mich in die E-Maillisten von Blogbetreibern eintrug. Doch habe ich mir die Dateien auf meinem Startbildschirm seitdem je wieder angesehen? Seit Wochen, teilweise Monaten nicht mehr! Als mir das bewusst wird, drücke ich schnell auf „Daten löschen“. Du solltest das ebenfalls sofort tun, denn Dateien, die du seit Wochen oder gar Monaten nicht mehr angesehen hast, wirst du garantiert auch in absehbarer Zeit nicht mehr anschauen. Sie sind unnötiger Ballast, der entfernt werden kann.

Im nächsten Schritt tasten wir uns an die Ordner mit eigenen Dokumenten und Bildern heran. Hier greife ich doch wieder auf einen Vorschlag aus Marie Kondos Buch „Magic Cleaning“ zurück. So öffne ich jedes einzelne Schriftstück sowie Bild und entscheide intuitiv, ob die Datei bleiben darf oder gehen muss. Puh, hier tauchen plötzlich Dinge auf, die ich vier Jahre oder länger nicht angeschaut habe. Und finde obendrein 289 Elemente im Download-Ordner. Wie konnte ich die dort nur vergessen? Schnell weg damit! Im Anschluss sehe ich mir alle Programme auf dem Laptop an und prüfe, welche nicht mehr benutzt werden und dementsprechend deinstalliert werden können.

Herzensangelegenheit Musik

Der schwierigste Part für mich kommt jedoch, als ich mich meiner digitalen Musiksammlung nähere. Ich muss es so erklären: was mir Bücher im analogen Alltag bedeuten, gilt für Musik im Digitalen. Als Stöpsel saß ich an den Wochenenden immer erwartungsvoll vor dem Radio und nahm stundenlang die neuesten Chartsongs, beispielsweise von Haddaway und Dr. Alban, auf Kassette auf. Als Jugendliche deckte ich mich dann regelmäßig mit den neuesten CDs und Alben ein. Richtig intensiv wurde meine musikalische Sammelleidenschaft jedoch zu Studienzeiten. (Auch mein Musikgeschmack hat sich dann meines Erachtens etwas weiter entwickelt.) Damals waren Youtube, Last.fm und vor allem iTunes meine ständigen Begleiter. Ich habe Abende und sogar ganze Nächte damit zugebracht, neue Musik für mich zu entdecken. Ich liebte es, so meine Zeit zu verschwenden, denn sie kam mir unendlich vor. Dementsprechend umfangreich ist meine „Sammlung“ heute. Allein auf meinem Laptop befinden sich 2.281 gekaufte Objekte aus dem Dance-House-Electro-Pop Universum. Genügend Futter, um sieben Tage am Stück, ohne Unterbrechung, Musik zu hören. Und dabei sind die Musikdateien auf der externen Festplatte noch gar nicht mitgerechnet … Ist das nicht Wahnsinn?

Ich nutze schließlich das Wochenende, um mich durch meine digitale Musiksammlung zu arbeiten und diese radikal zu reduzieren. Manches höre ich noch einmal, vieles lösche ich aber auch sofort. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass ich in musikalischen Erinnerungen schwelge. Viele Menschen schießen ja Fotos, um einen für sie schönen oder emotionalen Moment festzuhalten. Ich hielt diese Momente bislang immer mit einem für mich passenden Song fest. Es fühlt sich gut an, diese Erinnerungen in Gedanken mit einem Lied noch einmal zu durchleben. Doch stellt sich mir die Frage, ob ich den jeweiligen Titel dafür besitzen muss? Aus heutiger Sicht denke ich: „Nein!“ Es gibt inzwischen andere Möglichkeiten und schließlich eliminiere ich einen Song nach dem anderen von meiner Festplatte. Danach führe ich eine Defragmentierung (du weißt schon, dieser mysteriöse, stundenlange Vorgang, der einem das gute Gefühl gibt, dass da etwas im Hintergrund geschieht, ohne genau zu wissen was) auf meinem Laptop durch und widme mich dem nächsten Part: der externen Festplatte.

Struktur schaffen im Sammelsurium

Diese eine Festplatte begleitet mich seit dem Jahr 2005 und aufgrund meiner nicht enden wollenden Datensammelleidenschaft sind mittlerweile 243 GB des 298 GB verfügbaren Speicherplatzes belegt. Hier tummeln sich zahllose Dokumente, Fotos und Dateien, die ich teilweise seit Jahren nicht mehr angeschaut habe. Wurden die Elemente seitdem vermisst oder viel wichtiger, gebraucht? Nein! Demzufolge heißt es auch hier, radikal zu entrümpeln. Los geht’s! Dabei schaue ich mir zunächst wieder jeden Ordner einzeln an und lösche sie anschließend rigoros. Alte Studienunterlagen von vor neun Jahren? – Nie wieder angesehen. Also weg damit! Alte Arbeitsproben von vor zehn Jahren? Nie wieder benutzt. Inzwischen sind sie sogar veraltet. Also löschen! So geht es weiter. Am Ende habe ich mich durch die angesammelte Datenflut gearbeitet und es sind noch 100 GB des Speicherplatzes belegt. Damit kann ich erst mal leben und wende mich dem letzten Medium zu, dem Smartphone.

Was verbindest du mit diesem Gerät? Ich besitze eins seit 2010 und fand es anfangs ziemlich cool, so etwas zu haben. Permanent erreichbar zu sein, war mir zwar damals schon ein Graus, dafür reizte es mich umso mehr, stets und ständig online zu sein. Zu Beginn lud ich mir viele Apps auf das Smartphone, darunter auch einige, die mich immer mit den aktuellen Meldungen per Push-Nachricht informierten. Nachdem das Gerät und ich über längere Zeit miteinander in friedlicher Koexistenz gelebt hatten, änderte sich das im vergangenen Jahr schlagartig. Plötzlich fingen diese ganzen Push-Nachrichten an, mich gehörig zu nerven. Außerdem fragte ich mich, wozu ich die vielen Apps überhaupt herunter geladen hatte. Ich verwendete so wenige regelmäßig und deshalb begann ich schließlich, jede einzelne App auf den Prüfstand zu stellen und munter zu löschen. Dasselbe tue ich jetzt übrigens auch wieder, da sich im Laufe der Zeit doch die ein oder andere Applikation wieder dazu geschlichen hat.

Was ich heute allerdings über mein Smartphone insgesamt sagen kann ist, dass ich mich nicht mehr davon gestört fühle. Ich entscheide inzwischen selbst, wann ich mir Nachrichten zuführe oder einen Abstecher in Social Media Networks tätige. Zudem lasse ich das Handy öfter mal ganz zu Hause liegen. Wir scheinen das heute fast vergessen zu haben, aber das ist immer noch eine der wunderbarsten Maßnahmen, um im realen Leben aktiv schöne Momente aufzusaugen.

Da wir nun schon beim Smartphone angekommen sind, würde sich normalerweise das Thema „digitale Kommunikation“, beispielsweise rund um Social Networks und E-Mail-Korrespondenz anschließen. Allerdings werde ich das an dieser Stelle außen vor lassen, um es ein anderes Mal zu behandeln. Festgestellt habe ich jetzt jedoch, dass mir auch im Digitalen eine Datendiät ganz wohl bekommt. Meinem Laptop übrigens auch. Er läuft mittlerweile wieder wie am Schnürchen.

7 Gedanken zu “Aus gegebenem Anlass: Digital entrümpelt (Teil 1)

  1. Das „digitale Ausmisten“ geht eigentlich recht flott von statten, wenn man sich nicht von der Nostalgie blenden lässt. Ein Smartphone lasse ich trotz der vielen Kontrollmöglichkeiten nicht mehr in mein Leben, mir reicht mein Handy vollkommen.
    Weiter viel Erfolg beim Aufräumen.

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      1. Das war auch nicht als Vorwurf oder dergleichen gedacht. Weil ich mich von den ganzen technischen Möglichkeiten eines Smartphones gerne verführen lasse, habe ich das aus meinem Leben verbannt, um dem nicht wieder zu verfallen. Schön, dass Du den nötigen Willen hast.

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      2. Habe ich auch gar nicht als Vorwurf aufgefasst. 🙂 Mir geht es mit den ganzen technischen Möglichkeiten genauso wie dir. Ich möchte mich da ein wenig bremsen und werde mich dem Thema im Jahresverlauf auf jeden Fall noch mal intensiver widmen.

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  2. Liebe Steffie, ich beneide dich so darum dass du es geschafft hast, das digitale entrümpeln… Jedes Mal wenn ich meinen Laptop oder die Fotogalerie meines Handys öffne kommt mir eben der gleiche Gedanke… Welch ein Labyrinth aus Fotos, Ordner und uralten Dateien. Ich glaube das kann echt guttun! Btw.. Schon als kleine Steffie haben mich deine Texte stets sehr erfreut, und wenn ich jetzt etwas lese das du geschrieben hast tut es das ebenso… Und ganz echt, es bringt mich so oft zum Nachdenken! Liebe Grüße aus Darmstadt :-*

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