Wrap up: Was mich das Aufräumen gelehrt hat

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Der erste Monat meines Projekts Einfachheit neigt sich langsam dem Ende entgegen und deshalb möchte ich den Zeitpunkt nutzen, um ein kleines Zwischenfazit loszuwerden. Die letzten vier Wochen waren sehr intensiv. Intensiv deshalb, weil sie durch viel Nachdenken, Reflektieren und Lernen geprägt waren. Okay, zugegebenermaßen ist das nichts Ungewöhnliches. Ich bin ein Kopfmensch und Probleme wälzen gehört quasi zu meinen Spezialitäten. Neu daran ist jedoch, dass das alles, anders als sonst, nicht nur in meinem Kopf stattgefunden hat, sondern aktiv etwas in Bewegung gesetzt hat. Während dieser ersten vier Wochen habe ich meine Leidenschaft fürs Bloggen entdeckt und weiß nun, noch besser als zu Beginn des Jahres, dass ich für mich persönlich auf dem richtigen Weg bin: Ich möchte mehr vom weniger. Schon allein deshalb, weil es mir gut tut und hilft, den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Wenn du selbst bereits aufgeräumt hast oder dabei bist, möchte ich dir folgende Frage stellen: Hat dich das Aufräumen verändert oder hat es dich irgendetwas gelehrt? Ich für meinen Teil kann sagen, damit zu beginnen, war die absolut beste Entscheidung, die ich seit Langem getroffen habe. Denn: Richtiges Aufräumen hilft dir, achtsamer zu sein. Es lehrt dich beispielsweise bewusst zu hinterfragen, wie und was du konsumierst. Es hilft dir außerdem, eingefahrene Gewohnheiten kritisch zu beleuchten und herauszufinden, was dir im Leben wirklich wichtig ist. Wenn du richtig aufräumst, wird dir klarer, was du brauchst und was nicht. Zudem liefert es dir weitere Hinweise darauf, was gut für dich ist und was du künftig vielleicht einfach besser lassen solltest. Wenn du also mal an einen Punkt kommst, an dem du nicht mehr weiter weißt, empfehle ich dir: räum auf! Sei dir sicher, es wird dir helfen, (wieder) klar zu sehen.

Zusammengefasst! Das war los hier in den letzten vier Wochen: 

Um ehrlich zu sein, wollte ich mich noch mit einigen weiteren Dingen rund um das Aufräumen und Ausmisten beschäftigen. (Wenn du erst einmal drinsteckst, merkst du, wie vielfältig und spannend die Materie ist!) Allerdings habe ich mich jetzt doch dazu entschieden, das Thema an dieser Stelle erst einmal ruhen zu lassen. Und zwar deshalb, weil ein anderer Aspekt meiner (aus meiner Sicht) dringenden Achtsamkeit bedarf: die Ernährung. Ich finde, dass das Thema heutzutage ziemlich kompliziert geworden ist. So viele verschiedene Informationen, die dazu kursieren und jede behauptet obendrein noch zu wissen, was für dich persönlich am besten ist. Das möchte ich so nicht hinnehmen.

Bereits im vergangenen Jahr habe ich damit begonnen, an meiner Ernährung zu schrauben und herauszufinden, welcher Weg der Richtige für mich ist. Derzeit merke ich jedoch, dass ich von diesem Pfad abkomme und leider langsam in alte Muster zurückfalle. Um dem entgegen zu wirken, widme ich den Februar nun der Ernährung. Bist du dabei und lässt mich auch an deinen Erfahrungen teilhaben?

Vorsicht Konsumfalle! – Wie ich aufgeräumt bleibe …

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Es kann ein beschwerlicher Weg sein, in einer Welt voller Verlockungen und Verheißungen aufgeräumt zu bleiben. Das merke ich selbst immer wieder. Es gibt jedoch ein paar Ansätze und Tricks, die dabei helfen, den eingeschlagenen Pfad konsequent weiterzugehen. (Foto: Terry U. Weller / pixelio.de)

Nehmen wir einmal an, du hast deine bisherigen Konsumgewohnheiten reflektiert. Du bist dabei an einen Punkt gelangt, an dem du allen überflüssigen, physischen Ballast in deinem Leben identifiziert und dich tatsächlich radikal davon befreit hast. Herzlichen Glückwunsch! Für den Moment reist du mit leichtem Gepäck und bist voraussichtlich im Außen aufgeräumt.

Doch was geschieht, wenn dein Kopf beispielsweise nach einem langen Arbeitstag beim Gang vorbei an schön drappierten Auslagen plötzlich solche Gedanken produziert wie diesen hier: „Boar, ich muss mich heute noch mit irgendetwas belohnen. Das habe ich mir doch schließlich verdient!“ Wie auf Knopfdruck kommst du dann auch noch an Produkt X vorbei, das all deine Sinne anspricht. Wenn du ehrlich zu dir bist, brauchst du das Produkt nicht wirklich, doch mit seinen vielfältigen Funktionen, der schönen Verpackung und seinem unschlagbaren Preis ist dieser Artikel einfach zu verlockend und könnte dir obendrein auch noch ein schnelles, kleines Glücksgefühl bescheren. Ist dein Wille dann noch stark genug oder wirst du schwach und greifst nach dem schnellen Kick mit dem Glück, um dein plötzlich aufgekommenes Bedürfnis zu befriedigen? Oder nehmen wir ein anderes Szenario: Was passiert, wenn Unternehmen Y gekonnt für ein Produkt die Werbetrommel rührt, dass dich vitaler oder attraktiver machen soll? Oder in tausend bunten Farben verspricht, dass du mit der neuesten Version des Artikels Z frei und noch unabhängiger sein wirst? Kannst du diesen Verheißungen widerstehen oder reizt es dich am Ende doch zu sehr zu erfahren, ob das Produkt hält, was es verspricht?

Wir alle behaupten an dieser Stelle ja immer gern voller Nachdruck, dass uns das auf gar keinen Fall passieren kann. Doch ist das wirklich so, wenn wir ehrlich zu uns sind? Ich behaupte, dass wir mit diesem Denken einem Trugschluss aufliegen. Es wäre wohl besser, wenn wir uns stattdessen eingestehen würden, dass wir alle sehr beeinflussbar sind.  Tausende Werbebotschaften, von offensichtlich bis subtil, prasseln täglich auf uns ein und spielen clever mit unseren Bedürfnissen und tiefsten Wünschen. Wer da nicht aufpasst, kann schnell von einem aufgeräumten Zustand in die Konsumfalle tappen und sich am Ende wundern, wo das ganze unnötige Zeug nur wieder hergekommen ist, dass man doch versucht hat, so hartnäckig loszuwerden. (Schnell können sich so auch Konsumgewohnheiten einschleichen, die man dann nur schwer wieder los wird.)

Bewusstsein und Achtsamkeit entwickeln

Gehen wir an dieser Stelle noch mal einen kleinen Schritt zurück. Kannst du überhaupt genau sagen, wofür du im Monat dein Geld ausgibst? Ich konnte es ganz lange nicht und entwickelte auch erst ein wirkliches Bewusstsein dafür, als ich begann, mich im vergangenen Jahr zu entrümpeln. Um herauszufinden, wofür ich Monat für Monat mein Geld ausgab, schrieb ich zunächst alles haargenau auf. Durch das Niederschreiben identifizierte ich schließlich meine persönlichen Geldtreiber wie Bücher, Musik oder auch sehr beliebt bei mir – auswärts essen gehen. Ich war erstaunt und auch ein kleines bisschen geschockt, wie viel sich da im Monat jeweils zusammenläpperte. Um etwas zu verändern begann ich, neben der Dokumentation meiner Konsumgewohnheiten selbige zu hinterfragen, setzte mir wöchentliche Ausgabebudgets und fing an, alles nur noch in bar zu bezahlen. Noch heute gehe ich so vor. Es hilft mir den Überblick zu behalten und mein Bewusstsein für die Thematik zu stärken.

Um nicht wieder in die Konsumfalle zu tappen, übe ich mich heute außerdem tagtäglich in Achtsamkeit. Dabei beobachte ich meine Gedanken und reflektiere mein Verhalten. Zudem versuche ich, mich so wenig Werbung wie möglich auszusetzen. (Früher bin ich beispielsweise allen möglichen Verlagen auf Facebook gefolgt, um die neuesten Buchveröffentlichungen nicht zu verpassen. Das tue ich heute nicht mehr.) Bei jedem Kauf versuche ich außerdem, bewusste Entscheidungen zu treffen. Ich stelle mir dann Fragen wie, brauche ich das Produkt XY wirklich oder versuche ich damit etwas zu kompensieren? Muss ich den Artikel unbedingt kaufen oder kann ich ihn auch irgendwo leihen? Wenn mir mein Hirn suggeriert, dass ich einen bestimmten Konsumgegenstand haben möchte, springe ich nicht sofort darauf an. Stattdessen schreibe ich mir eine Notiz, warte eine Woche und überprüfe erneut, ob der Kaufdrang immer noch vorhanden ist. Meistens ist er dann genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen ist. Solltest du außerdem einmal an den Punkt kommen, an dem du dich mit irgendwelchen Artikeln belohnen willst, wie das beispielsweise bei mir mit Büchern der Fall war, sag stattdessen einmal laut „Stopp!“ und stelle dir die Frage, welche Auslöser und eigentlichen Probleme hinter deinem Belohnungsdrang stecken.

Zu guter Letzt kann ich nur jedem empfehlen, sich ein schönes Hobby zu suchen, das einen erfüllt. Mir geht es mit diesem Blog so. Jeden Tag freue ich mich nach einem langen Arbeitstag darauf, daran zu schreiben und meine Gedanken Schritt für Schritt in Worte zu fassen. Das ist unglaublich entspannend, mit dem positiven Nebeneffekt, dass für Shopping schlichtweg keine Zeit mehr bleibt.

Und bei dir? Wie lauten deine Tricks, um nicht in die Konsumfalle zu tappen?

Aussortiert – und wohin dann mit dem ganzen Zeug?

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Bevor wir Gegenstände wegwerfen, sollten wir uns fragen, ob jemand anderes dafür noch Verwendung haben könnte. (Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Als ich im vergangenen Jahr meine Wohnung komplett entrümpelte, war ich anfangs ehrlicherweise nicht nur flott darin, Sachen auszusortieren, sondern sie auch in den Müll zu werfen. Warum ich das tat? Ich dachte in dem Moment nicht besonders viel nach und wollte mich so schnell wie möglich von Dingen trennen, die mir nicht mehr wichtig waren. Wahrlich kein besonders minimalistischer, geschweige denn nachhaltiger Ansatz! Dann geschah jedoch etwas, dass mich wieder in den Nachdenkmodus versetzte …

In meinem Aufräumwahn hatte ich ein paar alte Bücher aussortiert und blindlings in die Papiermülltonne geworfen. Die Schmöker waren danach jedoch nicht weg. Es gab ein Wiedersehen – und zwar im Waschcenter um die Ecke, das ich regelmäßig zum Wäsche waschen aufsuchte. Dort hatte der Betreiber in einer Nische ein kleines Regal mit Büchern angebracht, um den Kunden die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Und die Schwarten standen plötzlich da. Woran ich sie wiedererkannte? Ich hatte unter anderen zwei alte Ausgaben von Michail Scholochow „Der stille Don“ entsorgt. Sie hatten jeweils einen rot-schwarz-gemusterten Umschlag. Diese Umschläge begegneten mir schließlich im Waschcenter wieder. Verwechslung ausgeschlossen. Jemand hatte die Lektüren aus der Tonne gefischt. Darüber musste ich schmunzeln. Freute es mich doch insgeheim, dass die gut erhaltenen Wälzer vor der Müllpresse gerettet worden waren. Gleichzeitig führte mir diese kleine Begebenheit meinen und unseren alltäglichen Umgang mit Gegenständen vor Augen.

Wir, und damit meine ich uns in der westlichen Welt, sind so schnell darin, Dinge zu kaufen und zu horten. Wenn uns diese Gegenstände dann nicht mehr gefallen, veraltet oder kaputt sind, werfen wir sie einfach weg. Schließlich gibt es alles im Überfluss und wir können uns die Dinge ja wieder kaufen, wenn wir wollen, oft sogar spottbillig. Meistens blenden wir im Kopf auch schlichtweg aus, dass für jeden einzelnen Gegenstand den wir kaufen, unter anderen wertvolle Ressourcen verbraucht wurden. Werfen wir die Dinge weg, sind diese verloren. Und sind die Sachen noch in Ordnung und wir werfen sie weg, ist das an Verschwendung gar nicht mehr zu überbieten. Schließlich könnte ein anderer dafür ja noch Verwendung haben.

Noch eine weitere Sache brachte mich zum Nachdenken und die hat mit einer Mülldeponie zu tun. Jeden einzelnen Tag laufe ich an einer wahrhaft Riesigen vorbei zur Arbeit. Dort ist es laut und es stinkt bereits kilometerweit gegen den Wind. Wenn wir etwas wegwerfen, ist es für uns außer Sichtweite. Wir werfen es in die Tonne und es existiert quasi nicht mehr für uns, getreu dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Doch ist der Müll, den wir produzieren dann auch schon wirklich weg? Natürlich nicht. Dennoch können wir uns diese trügerische Vorstellung wunderbar in unseren Köpfen zurechtlegen und uns damit beruhigen. Der Müll, den wir produzieren, wird lediglich umgelagert und andere müssen ihn dann auch noch versuchen, für uns loszuwerden. Sollten wir allein deshalb nicht schon in uns gehen und uns bewusster darüber werden, was und wie wir konsumieren? Sollten wir uns nicht auch fragen, wie wir unseren individuellen „Müll-Fußabdruck“ insgesamt am Ende so gering wie möglich halten können? Ich denke schon.

Von den Möglichkeiten, die Dinge anders loszulassen

Ich machte mir daraufhin Gedanken, wie ich aussortierte, noch gut erhaltene Gegenstände anders und zumindest etwas umweltbewusster freigeben konnte. Gleichzeitig suchte ich nach praktischen Lösungen, die für eine nach Einfachheit-strebende Zeitgenossin wie mich gut umsetzbar waren. Ich machte mir zwei Dinge bewusst: Sachen kannst du entweder auf konventionelle Weise loswerden, z. B. mit Hilfe von Flohmärkten, oder du gehst ins Internet.

Mir war direkt klar, dass ich nicht zur Kategorie der Flohmarkt-Begeisterten zählte. Denn jedes Mal, wenn ich bisher einen Flohmarkt besucht hatte (und das beschränkt sich auf insgesamt drei Mal) nahm ich aufgrund der Menschenmassen, die sich jeweils an  einzelnen Ständen oder Tischchen versammelt hatten, schnell auch wieder reißaus. Weder mochte ich große Menschenansammlungen, Gedränge und Gewühle (was auf einem Flohmarkt in der Großstadt schnell mal der Fall sein kann), noch mochte ich es, Leuten für ein wenig Geld Gegenstände aufzuschwatzen, die ich selbst nicht mehr haben wollte. Es musste also eine Quick-and-dirty-Lösung her, bei der ich Dinge loswerden konnte, ohne auf viel Menschenkontakt zu stoßen.

Blieb mir noch das Internet und das wurde dann auch zu meinem Dreh- und Angelpunkt der Informationsbeschaffung und Aktionsinitiierung. Ich hätte im nächsten Schritt nun daher gehen können und meine ausrangierte Kleidung beispielsweise aufwändig bei ebay (Kleinanzeigen) oder bei Kleiderkreisel verkaufen können. Doch damit wäre ich dann sicherlich heute noch nicht fertig gewesen. Ich entschied mich stattdessen, die aussortierten Textilien zu spenden und wurde schnell bei Hilfsorganisationen wie Das Deutsche Rote Kreuz und Malteser fündig. Kleidung kann hier in entsprechend gekennzeichneten Altkleidercontainern oder bei Kleiderkammern abgegeben werden. Das geht fix und man tut sogar noch etwas Gutes.

Für Medien wie CDs, DVDs und Bücher probierte ich Ankaufportale wie Momox und reBuy aus. Vorteil dieser Plattformen ist, dass die Abwicklung des Verkaufs schnell und unkompliziert verläuft. Du musst lediglich den Barcode der Artikel per App einscannen oder im Portal selbst eingeben, alle verkauften Artikel in eine Versandbox packen und sie via Versanddienstleister auf den Weg zum entsprechenden Ankäufer schicken. Danach bekommst du das Geld direkt auf dein Konto ausgezahlt oder wie bei reBuy erst mal auf deinem Account gut geschrieben. Das Guthaben lässt sich von dort aber auch unkompliziert auszahlen. Eine schnelle, gute Lösung, die mir zugesagt hat (mal abgesehen davon, dass auch hierbei wieder Ressourcen aufgewendet werden mussten). Dennoch haben diese Portale auch ein paar Nachteile. So bekommst du dort sicherlich für den Verkauf der gebrauchten Medien nicht mehr so viel Geld, wie beispielsweise bei einem Verkauf bei ebay. Außerdem kaufen die Portale nicht alles an. Bücher wie die Twilight Saga oder DVDs wie Männerherzen haben es schwer, weil gefühlt jeder, der etwas loswerden möchte, sie besitzt. Meine Taktik in solchen Momenten: warten, auch wenn es zugegebenermaßen schwer fällt. Die Gelegenheit wird sich bieten, dass man die Artikel doch noch verkaufen kann.

Immer im Fokus: Einfachheit

Für Bücher, die sich nicht mehr verkaufen lassen, nutzte und nutze ich außerdem BookCrossing. Das ist eine weltweite Bewegung, die Bücher an Unbekannte weitergibt. Das System ist sehr einfach und bringt obendrein Spaß. Jede Lektüre wird, bevor man sie freilässt, auf der BookCrossing-Seite bookcrossing.de registriert und mit einer BookCrossing-IDentitätsnummer (BCID) versehen. Mit dieser Nummer lässt sich nachverfolgen, wo sich das Buch aktuell befindet. Ich versehe die Schmöker stets mit einer handschriftlichen Bemerkung. Man kann jedoch auch ein Label der Plattform auf die Umschlagseite einkleben. Bei beiden Varianten sollte auf jeden Fall die BCID vermerkt werden, bevor man das Buch in die Öffentlichkeit freilässt. Danach gibt man auf der Plattform noch an, wo die Lektüre ungefähr platziert wurde. Findet schließlich jemand das Buch, kann er die BCID unter bookcrossing.com eingeben und hinzufügen, wo genau er es gefunden hat. Auch die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen, besteht. Nachteil dieser Variante ist wohl nur, dass nicht jeder, der ein Buch findet, dieses auch auf der BookCrossing-Seite vermerkt. Dennoch halte ich diese Möglichkeit für insgesamt nachhaltiger, als Bücher einfach in den Müll zu werfen.

Um weitere Dinge wie beispielsweise überschüssiges Geschirr loszuwerden, probiere ich aktuell Freecycle aus. Das ist ein Geschenk-Netzwerk, das schon recht lange den Austausch kostenlos abzugebender Gegenstände in regionalen Gruppen organisiert. Ich finde die Idee charmant, ob sie praktikabel ist, muss ich allerdings noch herausfinden … Um das Portal zu nutzen, musst du dich unter Freecycle.org registrieren und ein Benutzerkonto anlegen. Nach der Registrierung kannst du dich einer Städtegruppe anschließen und Angebote bzw. Gesuche einstellen. Derjenige, der etwas haben möchte, muss den Gegenstand dann abholen. Deshalb macht es auch nur Sinn sich in einer städtischen Gruppe zu registrieren, in der man auch lebt. (Übrigens: Freecycle lässt sich wahlweise auch mit Yahoo nutzen. Einzelne Freecycle-Städte-Gruppen nutzen dafür die Groups-Funktion des Anbieters. Die Yahoo-Groups funktionieren dann wie ein E-Mail-Verteiler von dem man Angebote und Gesuche erhält. Außerdem kann man selbst Nachrichten an die Empfänger versenden.)

Hast du ebenfalls Erfahrungen mit diesen Möglichkeiten und Portalen gesammelt oder hast du andere Vorschläge, wie man Gegenstände in den Kreislauf zurückgeben kann? Dann lass es mich wissen! Ich suche stets nach neuen, unkomplizierten Wegen, Dinge loszulassen und freue mich über einen regen Austausch!

Aus gegebenem Anlass: Digital entrümpelt (Teil 1)

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Auch digital Angesammeltes summiert sich und kann irgendwann zur  Belastung werden. Um das zu verhindern, lautet die Lösung erneut: Ausmisten! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

„Reduzieren ist viel wichtiger als das Addieren.“

Marie Kondo

Nachdem ich mich im vergangenen Jahr vor allem von vielen physischen Dingen getrennt habe, erinnert mich mein Laptop akuell daran, dass ich einen Bereich dabei vollkommen außer Acht gelassen habe: das Digitale. Auch hier kann sich mit der Zeit viel ansammeln. Leider ist das bei mir der Fall. Wie sieht es bei dir damit aus?

Meinen Laptop besitze ich seit dem Jahr 2010. In unserer heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft gilt das wahrscheinlich schon als betagtes Alter für solch ein Gerät. Damit möchte ich mich keineswegs abfinden. Nichtsdestotrotz schreitet die Obsoleszenz, d. h. die Abnutzung oder auch das Veralten des Geräts, mittlerweile merklich voran. Derzeit ist es so, dass mein Laptop bereits große Probleme hat, sich hochzufahren und wenn er das endlich geschafft hat, reihenweise Fehlermeldungen ausspuckt. Hinzu kommt, dass ich diesen Laptop noch nie richtig entrümpelt habe. Klar wurden Backups durchgeführt und Daten auch mal auf eine externe Festplatte übertragen, doch ich habe mich noch nie bewusst damit befasst, welche Daten eigentlich gelöscht werden können und welche bleiben sollten. Grund genug also, auch hier endlich einmal richtig aufzuräumen! Doch wo fängt man da am besten an?

Am besten hier: Überblick verschaffen

Anfangs ist es aus meiner Sicht immer sinnvoll, sich einen Überblick über die gesamte Situation zu verschaffen. Hat man die erfasst, tastet man sich schrittweise an die einzelnen Problemlösungen heran. Ich beginne wieder mit der Theorie und frage mich selbst, welcher Ordnungstyp ich im Bereich des Digitalen bin. Wenn ich mir dabei allein die Datenmenge auf meinem Laptop vergegenwärtige, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich als Datensammlerin und -horterin zu outen. Digital scheine ich so ziemlich alles zu sammeln und abzulegen, was mir in die Finger kommt. Es ist aber auch zu einfach und verlockend, oder? Die Daten beanspruchen gefühlt wenig Platz und lassen sich in Windeseile von A nach B kopieren oder speichern.

Anschließend stelle ich mir die Frage, welche digitalen Geräte überhaupt entrümpelt werden sollen? Zu nennen sind hier:

  • Laptop
  • externe Festplatte
  • Smartphone

Um mich digital nicht zu verzetteln und alles im Blick zu behalten, werde ich im Folgenden die KonMari-Methode etwas vernachlässigen, die mir beim Aumisten haptischer Dinge geholfen hat. Das bedeutet, dass ich dieses Mal nicht nach Kategorien entrümpeln werde. Schließlich kann ich im Digitalen nicht alles auf einen Haufen werfen und dann entscheiden was gehen muss und was bleiben darf. Zudem nehme ich mir jedes Gerät einzeln vor. Machst du mit?

Beginnen wir mit dem Laptop, wahlweise Computer. Was siehst du auf deinem Bildschirm, nachdem sich das Gerät hochgefahren hat? Mein kompletter Startbildschirm besteht aus Anwendungen, Ordnern, Bildern und Dokumenten, die ich einst dort ablegte, um sie irgendwann wieder zu benutzen oder in Unterordnern abzulegen. Auch viele PDFs liegen auf dem Desktop. Ich erhielt sie, nachdem ich mich in die E-Maillisten von Blogbetreibern eintrug. Doch habe ich mir die Dateien auf meinem Startbildschirm seitdem je wieder angesehen? Seit Wochen, teilweise Monaten nicht mehr! Als mir das bewusst wird, drücke ich schnell auf „Daten löschen“. Du solltest das ebenfalls sofort tun, denn Dateien, die du seit Wochen oder gar Monaten nicht mehr angesehen hast, wirst du garantiert auch in absehbarer Zeit nicht mehr anschauen. Sie sind unnötiger Ballast, der entfernt werden kann.

Im nächsten Schritt tasten wir uns an die Ordner mit eigenen Dokumenten und Bildern heran. Hier greife ich doch wieder auf einen Vorschlag aus Marie Kondos Buch „Magic Cleaning“ zurück. So öffne ich jedes einzelne Schriftstück sowie Bild und entscheide intuitiv, ob die Datei bleiben darf oder gehen muss. Puh, hier tauchen plötzlich Dinge auf, die ich vier Jahre oder länger nicht angeschaut habe. Und finde obendrein 289 Elemente im Download-Ordner. Wie konnte ich die dort nur vergessen? Schnell weg damit! Im Anschluss sehe ich mir alle Programme auf dem Laptop an und prüfe, welche nicht mehr benutzt werden und dementsprechend deinstalliert werden können.

Herzensangelegenheit Musik

Der schwierigste Part für mich kommt jedoch, als ich mich meiner digitalen Musiksammlung nähere. Ich muss es so erklären: was mir Bücher im analogen Alltag bedeuten, gilt für Musik im Digitalen. Als Stöpsel saß ich an den Wochenenden immer erwartungsvoll vor dem Radio und nahm stundenlang die neuesten Chartsongs, beispielsweise von Haddaway und Dr. Alban, auf Kassette auf. Als Jugendliche deckte ich mich dann regelmäßig mit den neuesten CDs und Alben ein. Richtig intensiv wurde meine musikalische Sammelleidenschaft jedoch zu Studienzeiten. (Auch mein Musikgeschmack hat sich dann meines Erachtens etwas weiter entwickelt.) Damals waren Youtube, Last.fm und vor allem iTunes meine ständigen Begleiter. Ich habe Abende und sogar ganze Nächte damit zugebracht, neue Musik für mich zu entdecken. Ich liebte es, so meine Zeit zu verschwenden, denn sie kam mir unendlich vor. Dementsprechend umfangreich ist meine „Sammlung“ heute. Allein auf meinem Laptop befinden sich 2.281 gekaufte Objekte aus dem Dance-House-Electro-Pop Universum. Genügend Futter, um sieben Tage am Stück, ohne Unterbrechung, Musik zu hören. Und dabei sind die Musikdateien auf der externen Festplatte noch gar nicht mitgerechnet … Ist das nicht Wahnsinn?

Ich nutze schließlich das Wochenende, um mich durch meine digitale Musiksammlung zu arbeiten und diese radikal zu reduzieren. Manches höre ich noch einmal, vieles lösche ich aber auch sofort. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass ich in musikalischen Erinnerungen schwelge. Viele Menschen schießen ja Fotos, um einen für sie schönen oder emotionalen Moment festzuhalten. Ich hielt diese Momente bislang immer mit einem für mich passenden Song fest. Es fühlt sich gut an, diese Erinnerungen in Gedanken mit einem Lied noch einmal zu durchleben. Doch stellt sich mir die Frage, ob ich den jeweiligen Titel dafür besitzen muss? Aus heutiger Sicht denke ich: „Nein!“ Es gibt inzwischen andere Möglichkeiten und schließlich eliminiere ich einen Song nach dem anderen von meiner Festplatte. Danach führe ich eine Defragmentierung (du weißt schon, dieser mysteriöse, stundenlange Vorgang, der einem das gute Gefühl gibt, dass da etwas im Hintergrund geschieht, ohne genau zu wissen was) auf meinem Laptop durch und widme mich dem nächsten Part: der externen Festplatte.

Struktur schaffen im Sammelsurium

Diese eine Festplatte begleitet mich seit dem Jahr 2005 und aufgrund meiner nicht enden wollenden Datensammelleidenschaft sind mittlerweile 243 GB des 298 GB verfügbaren Speicherplatzes belegt. Hier tummeln sich zahllose Dokumente, Fotos und Dateien, die ich teilweise seit Jahren nicht mehr angeschaut habe. Wurden die Elemente seitdem vermisst oder viel wichtiger, gebraucht? Nein! Demzufolge heißt es auch hier, radikal zu entrümpeln. Los geht’s! Dabei schaue ich mir zunächst wieder jeden Ordner einzeln an und lösche sie anschließend rigoros. Alte Studienunterlagen von vor neun Jahren? – Nie wieder angesehen. Also weg damit! Alte Arbeitsproben von vor zehn Jahren? Nie wieder benutzt. Inzwischen sind sie sogar veraltet. Also löschen! So geht es weiter. Am Ende habe ich mich durch die angesammelte Datenflut gearbeitet und es sind noch 100 GB des Speicherplatzes belegt. Damit kann ich erst mal leben und wende mich dem letzten Medium zu, dem Smartphone.

Was verbindest du mit diesem Gerät? Ich besitze eins seit 2010 und fand es anfangs ziemlich cool, so etwas zu haben. Permanent erreichbar zu sein, war mir zwar damals schon ein Graus, dafür reizte es mich umso mehr, stets und ständig online zu sein. Zu Beginn lud ich mir viele Apps auf das Smartphone, darunter auch einige, die mich immer mit den aktuellen Meldungen per Push-Nachricht informierten. Nachdem das Gerät und ich über längere Zeit miteinander in friedlicher Koexistenz gelebt hatten, änderte sich das im vergangenen Jahr schlagartig. Plötzlich fingen diese ganzen Push-Nachrichten an, mich gehörig zu nerven. Außerdem fragte ich mich, wozu ich die vielen Apps überhaupt herunter geladen hatte. Ich verwendete so wenige regelmäßig und deshalb begann ich schließlich, jede einzelne App auf den Prüfstand zu stellen und munter zu löschen. Dasselbe tue ich jetzt übrigens auch wieder, da sich im Laufe der Zeit doch die ein oder andere Applikation wieder dazu geschlichen hat.

Was ich heute allerdings über mein Smartphone insgesamt sagen kann ist, dass ich mich nicht mehr davon gestört fühle. Ich entscheide inzwischen selbst, wann ich mir Nachrichten zuführe oder einen Abstecher in Social Media Networks tätige. Zudem lasse ich das Handy öfter mal ganz zu Hause liegen. Wir scheinen das heute fast vergessen zu haben, aber das ist immer noch eine der wunderbarsten Maßnahmen, um im realen Leben aktiv schöne Momente aufzusaugen.

Da wir nun schon beim Smartphone angekommen sind, würde sich normalerweise das Thema „digitale Kommunikation“, beispielsweise rund um Social Networks und E-Mail-Korrespondenz anschließen. Allerdings werde ich das an dieser Stelle außen vor lassen, um es ein anderes Mal zu behandeln. Festgestellt habe ich jetzt jedoch, dass mir auch im Digitalen eine Datendiät ganz wohl bekommt. Meinem Laptop übrigens auch. Er läuft mittlerweile wieder wie am Schnürchen.

Richtig aufgeräumt: Befreiung vom Ballast!

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Finde deine Balance wieder, indem du dich von allem befreist, das dich belastet. Foto: johnnyb / pixelio.de

„The things you own end up owning you.“

Chuck Palahniuk

Diesen kurzen aber prägnanten Satz lässt Chuck Palahniuk, Tyler Durden in „Fight Club“ sagen. Es ist sehr viel Wahres dran an diesen Worten. Hast du das vielleicht selbst auch schon erlebt? Ich jedenfalls habe es im vergangenen Jahr hautnah zu spüren bekommen, wie Dinge beginnen können, dich in ihren Besitz zu nehmen. Sie werden dann zum Ballast, der deine Psyche zu belasten droht.

Dabei waren in erster Linie ungelesene Bücher für mich problematisch. Wenn andere sich nach einem harten Arbeitstag mit neuen Klamotten oder elektronischen Geräten belohnten, kaufte ich mir Bücher. Sehr viele Bücher. Und obwohl ich mir bei jedem Kauf stets vornahm, sie direkt zu lesen, ließ sich das allein schon aufgrund der gekauften Menge gar nicht bewerkstelligen. Als sich die Buchrücken turmähnlich auf meinen Bücherregalen stapelten und sie mich jedes Mal, sobald ich sie ansah, förmlich anschrien: ‚Lies uns endlich!‘, war es an der Zeit, etwas zu ändern.

Auf der Suche nach der geeigneten Aufräum-Methode

Der Theorie hatte ich bereits entnommen, dass ich beim Aufräumen tendenziell zum Perfektionismus neigte und in Bezug zur Kategorie „Bücher“ zu einer wahren Sammlernatur mutierte. Mit diesem Wissen in der Hand suchte ich dann für mich nach der perfekten Aufräum-Methode, die mir zukünftig das Leben erleichtern sollte. Dabei versuchte ich mich zunächst an einer Art „Salamitaktik“. Das bedeutete, dass ich mir täglich einen kleinen Bereich in den jeweiligen Zimmern vorknöpfte und mir vornahm, diesen aufzuräumen. Schnell merkte ich jedoch, dass das zur Sisyphosarbeit ausartete. Also ging ich dazu über, mir an bestimmten Tagen komplett einzelne Zimmer vorzunehmen. Auch das war nicht lange von Erfolg gekrönt. Ich hatte einfach nicht das Gefühl, beim Aufräumen Fortschritte zu machen und mich im Gegenteil eher zu verrennen und alles noch komplizierter zu machen. Außerdem wurden die Dinge nicht weniger. Sie fanden teilweise nur einen neuen Platz.

Zu dieser Zeit stolperte ich in Minimalismus-Blogs und Podcasts dann immer wieder über Marie Kondos Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“. Es wurde zum größten Teil als das Aufräumwerk schlechthin gefeiert. Irgendwie machte mich das neugierig und obwohl bereits so viele Bücher bei mir daheim darauf warteten, endlich gelesen zu werden, besorgte ich mir diese Lektüre und begann anders als sonst, direkt darin zu lesen.

Richtiges Aufräumen lässt sich lernen!

Bist du schon mal jemandem begegnet, der das Aufräumen liebt und es zu einer wahren Passion entwickelt hat? Ich bis dato nicht. Durch Marie Kondos Buch bekam ich jedoch eine Ahnung davon, dass so etwas möglich war. Die Frau beeindruckte und irritierte mich zugleich. Schon in jungen Jahren hatte sie akribisch nach der perfekten Aufräum-Methode geforscht und nun knallte sie mir durch ihr Buch vor den Latz, dass ich das Aufräumen nur nicht lieben würde, weil ich nicht genau wisse, wie es richtig funktionierte. Aufräumen – ein Handwerk, das man erst lernen muss? Ich blieb skeptisch und dennoch interessiert. Schließlich waren meine letzten Aufräumaktionen kläglich gescheitert.

Die Japanerin hat die so genannte KonMari-Methode (in Anlehnung an ihren Spitznamen) entwickelt und stellt sie in diesem Buch Schritt für Schritt vor. Durch deren richtige Anwendung soll eine permanent aufgeräumte Wohnung kein Wunschtraum mehr bleiben. Ihr Weg zur Ordnung lautet dabei: radikales Entrümpeln. Außerdem räumt sie im Buch mit der Methode auf, die ich und du vielleicht zuvor selbst angewendet hatten: das schrittweise Aufräumen. Laut Marie Kondo muss jeder nur ein einziges Mal aufräumen, dafür jedoch richtig. So weit so gut.

Richtiges Aufräumen beinhaltet nach der Methode ein gewisses Vorgehen:

  • Punkt 1: Es muss für jedes einzelne Teil entschieden werden, ob es aussortiert oder behalten werden soll. Dafür wird jedes Stück in die Hand genommen. Laut Kondos Methode soll man sich dann fragen, ob einem die jeweilige Sache, die man in der Hand hält, glücklich macht. Ich hatte mit diesem Ansatz so meine Probleme, da ich eher rational an die Dinge herangehe. Doch ich fand schnell einen eigenen Ansatz und fragte mich stattdessen, ob die jeweilige Sache noch eine Funktion für mich erfüllen konnte oder nicht.
  • Punkt 2: Es wird nach Kategorien ausgemistet, nicht nach Zimmern, und in einem Rutsch. Dabei gilt es eine konkrete Reihenfolge zu beachten: zuerst nimmt man sich komplett die Kleidung vor, dann Bücher, Schriftstücke und ganz zum Schluss Kleinkram wie Schmuck, Geschirr oder auch Fotos.
  • Punkt 3: Erst nachdem komplett ausgemistet wurde, wird ein fester Aufbewahrungsort für die jeweiligen Teile bestimmt, die nicht aussortiert wurden und bleiben dürfen. Das hat den Vorteil, dass das Suchen von Dingen ab sofort der Vergangenheit angehört. Schließlich bekommt nach dieser Methode jedes Stück seinen festen Platz und muss nach der Benutzung dort nur wieder einsortiert werden.
  • Punkt 4: Stapeln ist verboten. Stattdessen sollen die Dinge nebeneinander stehend aufbewahrt werden. Auch ganz wichtig: auf Verstauungssysteme verzichten! Sie sorgen laut Kondo nur dafür, dass das Chaos wieder seinen gewohnten Lauf nehmen kann.
  • Punkt 5: Auf Einfachheit setzen, damit der Überblick stets bewahrt bleibt.

Startschuss zur Chaosbändigung

Die Anleitung klang insgesamt vielversprechend und so begann ich, mich durch die einzelnen Kategorien zu arbeiten. Ich startete wie vorgegeben bei der Kleidung. Hier fiel es mir leicht, mich von alten Jeans, T-Shirts, Schuhen oder auch Taschen zu trennen. Ich wühlte mich förmlich durch den Kleiderhaufen und trennte mich schließlich von Textilien, die dem Umfang von vier großen, blauen Müllbeuteln entsprachen.

Da ich mich an meine Büchersammlung noch nicht herantraute, fuhr ich im nächsten Step mit den digitalen Medien wie CDs und DVDs fort. Knapp 100 DVDs und gut 250 CDs wurden im Zuge dessen aussortiert. Und während ich mich von den zum Teil auch lieb gewonnen Medien trennte, setzte sich in mir ein unerwarteter Denkprozess in Gang, der mit meinem Büchersammelwahn zu tun hatte. Ich fragte mich plötzlich, warum ich diese vielen Bücher eigentlich hortete. Ging es mir darum, die ganzen Buchrücken im eigenen Schrank stehen zu haben, wo sie munter vor sich hin einstaubten? Mitnichten! Mir war es immer nur um die Geschichten und Informationen gegangen, die die Bücher bereithielten. Diesen Schatz an unendlichem Wissen, den ich aufsaugen und innerlich für mich weiterentwickeln wollte.

Das war schon damals so gewesen. Als Kind tauchte ich wöchentlich in der dorfeigenen Bücherei auf und stattete mich mit all den Geschichten aus, die meine Fantasie beflügelten. Ich lieh mir alles aus, anstatt es zu kaufen. Erst als ich älter wurde und mir mehr finanzielle Mittel zur Verfügung standen, begann ich unter anderen damit, mir meine Lieblingsgeschichten nachzukaufen. Warum? Weil mir in den Sinn gekommen war, dass ich die Geschichten, die mich einst so begeistert hatten, irgendwann ja noch einmal lesen konnte. Doch das tat ich nie. Bis heute. Ein Buch, dass ich bereits einmal gelesen habe, nehme ich einfach nicht noch einmal in die Hand. Schließlich gibt es da draußen noch so viel zu entdecken und zu lesen. Täglich kommt etwas Neues hinzu und leider ist unsere Zeit begrenzt. Irgendwo muss man dann Prioritäten setzen.

Doch als ich dies innerlich begriffen und für mich geklärt hatte, funktionierte es plötzlich. Ich konnte mich von geliebten Büchern trennen, wenn ich wollte. Dafür nahm ich jedes einzelne in die Hand und fragte mich entweder: Hast du das schon gelesen? – Dann trenne dich sofort davon. Oder bei absolut neuen, noch ungelesenen Büchern: Bist du dir sicher, dass du diese Geschichte oder dieses Sachbuch wirklich noch lesen wirst? Fiel die Antwort mit ja aus, behielt ich das Buch. Fiel die Antwort auf nein, wurde es aussortiert. Auch ungelesen. Mit dieser Methode ließ ich binnen kürzester Zeit 550 meiner angesammelten Bücher frei. Gut die Hälfte meiner kompletten Sammlung. Und dabei spürte ich dann, wie gut es tat, Dinge loszulassen. Sich von Sachen zu trennen. Sich zu befreien.

Ich fand mit einem Mal großen Gefallen am Loslassen. Bei den Schriftstücken und dem ganzen Kleinkram wie Schmuck, Geschirr oder Fotos ging es mir einfach nur noch leicht von der Hand. Das Einsortieren der Dinge, die bleiben durften, war ebenfalls kein Kraftakt mehr. Ich umgab mich jetzt schließlich mit Dingen, bei denen ich mich wirklich aktiv dafür entschieden hatte, das sie bleiben durften. Das alles war ein äußerst beflügelndes Gefühl. Gleichzeitig realisierte ich, dass Aufräumen tatsächlich so etwas wie Freude in einem entfachen konnte, wenn man die richtige Methode für sich entdeckt hatte. Um es stark hinunterzubrechen, kommt es beim Aufräumen immer zuerst auf das Ausmisten an. Und wenn du das einmal hinter dir hast, dann willst du allein aus dir selbst heraus nie wieder, das es noch mal soweit kommt und du säckeweise aussortieren musst. Glaub mir, aufräumen kann dich tatsächlich verändern. Dafür musst du allerdings deine dir vertraute Perspektive verändern und alteingefahrene Handlungsmuster hinterfragen.

Im Kopf fängt es an: Theoretisch aufgeräumt

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Bist du innerlich aufgeräumt, wirst du das auch im Außen zeigen. Foto: Rike / pixelio.de

Diese äußere Unordnung, die oft den Namen „Chaos“ verdient, ist nichts anderes als ein Spiegel deiner inneren Unordnung und Unklarheit, der Unordnung in deinen Gedanken und deinen Gefühlen und im Verhältnis von Kopf und Herz. Wie innen, so außen, heißt das Gesetz.“

Robert Betz

Meine Reise hin zu mehr Einfachheit begann im vergangenen Jahr mit dem Aufräumen von Dingen und auch zum Start dieses Projekts hier bildet es wieder den Anfang. Hast du dir eigentlich schon einmal die Frage gestellt, was du mit dem „Aufräumen“ verbindest und wie es in deinem Kopf besetzt ist? Löst es in dir positive oder negative Emotionen aus? Als ich mir die Fragen zum ersten Mal richtig im letzten Jahr stellte, überwogen eindeutig die negativen Gefühle.

Da waren zum einen die Gedanken an die Kindheit und Jugend, in der regelmäßig dazu aufgefordert wurde, doch endlich wieder das eigene Zimmer aufzuräumen, wenn die ganzen Spielsachen den Fußboden bedeckten oder alle Klamotten wild im Raum verstreut herumlagen. Zum anderen waren da die Gedanken an den Jetzt-Zustand, bei dem das Aufräumen eine äußerst nervige und vor allem zeitraubende Angelegenheit darstellte. Aufräumen war für mich immer mit einem „Müssen“ und mit einer Aufforderung verbunden gewesen und ich fragte mich, was das Ganze überhaupt brachte? Ehe man sich versah, war doch sowieso wieder alles unordentlich.

Während ich mich dem Frust und den negativen Emotionen über das Aufräumen in meinem Kopf hingab, schlich sich jedoch still und leise ein neuer Gedanke heran und brachte schließlich meine innerlich negativ aufgeladenen Stimmen zum Schweigen. Der Gedanke war folgender: Wenn ein einzelnes, kleines Wort so viele negative Emotionen und Gedanken auslösen konnte, war es dann nicht auch möglich, es wieder positiv im Kopf zu verankern? Es sollte möglich sein. Die Frage war nur, wie.

Einfach mal die Perspektive wechseln

Ich ging in Gedanken noch einmal alle negativen Aspekte durch und blieb schließlich an dem Wort „Müssen“ kleben. Wenn etwas getan werden muss, hat das immer was mit Zwang und nie mit Freiwilligkeit zu tun. Hier hatte ich etwas gefunden, woran ich ansetzen konnte. Im nächsten Schritt wurde mir klar, dass mir aufgeräumte Zimmer immer gut getan hatten. Sie strahlten Klarheit, Struktur und Ruhe aus. All das, wonach ich innerlich und äußerlich suchte. Und dann realisierte ich, dass der Schlüssel für ein aufgeräumtes Leben vielleicht einfach darin bestand, die Perspektive zu wechseln. Die Sichtweise des „Müssens“ zu verlassen und einen Standpunkt des „freiwilligen Wollens“ einzunehmen.

Schon länger fühlte ich mich von den ganzen Sachen, die ich um mich herum angehäuft hatte, belastet und überfordert. So kam ich wieder an den Punkt, dass ich selbst etwas an meiner Situation verändern konnte. Das Ziel war gefasst. Ich wollte Klarheit, Ordnung, eine gewisse Struktur im Innen sowie Außen und suchte Ruhe vor meinen Stimmen im Kopf, die mich immer wieder dazu aufforderten: „Räum auf!“ Ich beschloss, einmal richtig freiwillig aufzuräumen, mit allem drum und dran und danach nie wieder zuzulassen, dass Unordnung erneut die Oberhand gewann.

Ich fragte mich allerdings auch, wie ich dafür am besten vorgehen könnte. Durch Ulrike Lowis Buch „Der perfekte Haushalt“ erfuhr ich zunächst etwas über Ordnungstypen. In ihrem Buch gab es vier verschiedene:

  • Sammlernaturen: ein Chaostyp, der einfach alles zusammenträgt und aufbewahrt, was unter Umständen eines Tages noch mal gebraucht werden könnte.

  • Bewahrer: den Sammlern verwandt, die nichts wegwerfen, was auch nur im entferntesten von nostalgischem Wert sein könnte.

  • Perfektionisten: die gar nicht erst anfangen aufzuräumen, wenn die Gefahr besteht, dass das Ergebnis nicht 100-prozentig gelingen könnte.

  • Aufschieber: ein Chaostyp, der es gelernt hat, die von ihm eröffneten Baustellen in seinem Haushalt mehr oder weniger elegant zu umschiffen.

Ich entlarvte mich als Perfektionistin und fragte mich im Anschluss, ob es für alle Ordnungstypen eine systematische Vorgehensweise beim Aufräumen gab, die dann dauerhaft von Erfolg gekrönt war? Ich probierte einiges aus, doch davon mehr im nächsten Beitrag …